Das erste Semester Informatik an der TUB

Dieser Nachtrag noch zum ersten Semester:

MPGI1 – Funktionale Programmierung: Wer sich mit Funktionaler Programmierung noch nicht auseinandergesetzt hat: Sehr vereinfacht kann man vielleicht sagen, dass es wie herkömmliche Imperative Programmierung ist, nur dass pro Funktion immer nur eine Anweisung ausgeführt wird. Es existiert also eigentlich kein richtiger Programmablauf, sondern die Ausführungsreihenfolge der Operationen ist allein durch die Verschachtelung der Funktionsaufrufe festgelegt. Es gibt auch keine Schleifenkonstrukte – stattdessen muss sowas über rekursive Aufrufe umgesetzt werden. Diese funktionale Denkweise etwas zu trainieren ist schon ganz nett, es führt vielleicht dazu manches auch in Imperativen Sprachen sauberer zu programmieren. An der TU Berlin wird als funktionale Sprache „OPAL“ benutzt, die von Prof. Pepper entwickelt wurde. OPAL und der zugehörige Compiler haben einige Tücken – an dieser Stelle sei auf die FAQ der Freitagsrunde zum Thema OPAL verwiesen.

TechGI1 – Digitale Systeme: Boolesche Algebra, Umformungen (z. B. mittels KV-Diagrammen), Normalformen, bestimmte Digitalschaltungen (Zaehler, Addierer, ROMs/PLAs), VHDL-Grundlagen. Auf die elektrotechnischen Grundlagen wird nicht weiter eingegangen. Der Dozent hatte fast nur seine fehlerhaften Folien durchgeklickt, dazu fehlerhafte Anmerkungen gemacht oder Aufgaben an der Tafel falsch vorgerechnet. Er ist soweit ich weiß mittlerweile im Ruhestand. Sonst gibts eigentlich nicht viel zu sagen – gehört neben MPGI1 zu den entspanntesten/einfachen Modulen im ersten Semester.

TheGI1 – Grundlagen und algebraische Strukturen: Es beginnt mit Mengenlehre, Relationen und Abbildungen dann kommen Signaturen, Algebren und Homomorphismen und schließlich der Einstieg in Formale Sprachen/Chomsky-Hierarchie. Für die meisten das schwierigste Fach im ersten Semester und vermutlich mit-Auslöser für Studiengang-Wechsel/Abbrech-Entscheidungen. Im Unterschied zu Theoretische Informatik-Veranstaltungen an manchen anderen Unis kommen Automaten und Turing Maschinen hier noch nicht, sondern erst in TheGI2 ran.

LinA – Lineare Algebra (für Ingenieure): Vektorrechnung, Matrizen, Abbildungen, Lineare Gleichungssysteme. Bemerkenswert ist vielleicht „die Mumie“ – eine Webapplikation in der ein Teil der Hausaufgaben gemacht werden muss. Es ist die einfachste der Mathe-Pflichtveranstaltungen.

Informatisches Propädeutikum: Dieses Modul ist nach wie vor eine große Baustelle. Es soll wissenschaftliches Arbeiten vermitteln. In der Vorlesung wurden hauptsächlich irgendwelche sehr philosophischen Fragestellungen zu Informatik/Informationen/Sprache erörtert. Tutorien gibt es nicht. Als Hausaufgaben gibt es Recherecheaufgaben, für die man sich zu zwei Themen kurz einlesen musste und dann einen Text (je halbe A4-Seite; in LaTeX) schreiben sollte – inklusive korrekter Angabe der zitierten Fachliteratur. Als ich teilnahm wurde von den Studis durchgesetzt, dass die Hausaufgaben (die wirklich sehr zeitaufwändig waren) keine Bedingung für die Klausurzulassung waren. Dies haben sie aber, wenn ich es richtig gehört habe, in dem darauffolgenden Jahr wieder geändert. Fürs erste Semester ist das Modul echt ziemlich unpassend, da auch einige Themen rankamen (wie P/NP-Problem), die zu späteren Zeitpunkten z. B. in TheGI1 und TheGI2 behandelt werden.

Übergreifend würde ich noch sagen, dass die Auswahl von MPGI1, TheGI1 und LinA im ersten Semester ganz gut zueinander passt, da es in allen dieser Modulen (unter anderem) um Abbildungen geht (deren Notation ja jetzt ein bisschen anders – bzw genauer – als in der Schule ist).

[Das Datum dieses Postings wurde nachträglich angepasst um es mit den anderen in eine chronologisch sinnvolle Reihenfolge zu bringen.]