Archiv für Juni 2009

Informatikstudium (Formales/Organisatorisches)

Im Oktober 2008 habe ich angefangen an der TU Berlin Informatik (Bachelor) zu studieren. Das erste Semester ist nun (längst) vorbei und ich möchte Außenstehenden die Möglichkeit geben einen Eindruck zu bekommen, wie das mit dem Studium (und der Anmeldung dazu) so abläuft, da ich es mir, bevor ich angefangen hatte, selber nur schlecht vorstellen konnte. Die Informationen basieren auf dem, was ich mir zusammengesucht oder zusammengereimt habe. Für verbindliche Informationen sollten natürlich die jeweiligen Ordnungen etc. konsultiert werden. Darüber, wie das mit dem Bafög oder Stipendien abläuft, kann ich nichts sagen, da es mich nicht betrifft.

Vor dem Studium:
Es ist empfehlenswert, sich ausführlich mit dem gewünschten Studiengang zu beschäftigen, um einen Eindruck zu haben, was einen erwartet und ob dieser wirklich in Frage kommt. Hilfreich ist dazu z. B. der Studienführer und Literatur, die für die einzelnen Module empfohlen wird, sowie die Modulbeschreibungen selbst.
Außerdem ist darauf zu achten, wann welcher Studiengang beginnt, da viele aus Kapazitätenmangel seitens der Uni nur im Wintersemester angeboten werden. Man sollte herausfinden, welche Fristen einzuhalten sind – das ist zunächst insbesondere die Bewerbungsfrist.
Für die (erstmalige) Bewerbung um einen Studienplatz sind eine beglaubigte Kopie des Abiturs sowie Reisepass oder Personalausweis nötig. Die Bewerbung läuft online über ein Formular, woraus ein Ausdruck generiert wird, der dann mit den anderen Unterlagen im „Campus-Center“ abzugeben ist.
Einige Wochen vor dem Semesterbeginn findet ein Matheeinführungskurs statt, in dem im wesentlichen der komplette Abi-Stoff innerhalb weniger Wochen wiederholt wird. Daran Teil zu nehmen ist besonders sinnvoll, wenn man in Mathe nicht gerade der Beste war oder es schon einige Jahre her ist. Außerdem nimmt in den meisten Studiengängen an der TU Mathe (Lineare Algebra und Analysis) einen großen Raum ein. Ein anderes Angebot vor Semesterbeginn ist der „Early Bird“-Mathekurs, in dem man bereits die Module „Lineare Algebra“ und „Analysis I“ machen kann, und dadurch während der ersten Semester etwas Freizeit gewinnt.
Ca. zwei Monate nach der Bewerbung kommt der Zulassungsbescheid, dort steht die Frist zur Einreichung des Immatrikulationsantrags drin (ein paar Wochen später). Da Studenten krankenversicherungspflichtig sind muss zum Immatrikulationsantrag ein Krankenversicherungsnachweis einer gesetzlichen Krankenkasse vorgelegt werden oder – wenn man privat versichert ist und bleiben möchte – eine Befreiungsbescheinigung von der gesetzlichen Krankenversicherungspflicht. Für letzteren Fall muss man mit einer Versicherungsbescheinigung der privaten Krankenkasse zu einer gesetzlichen Krankenkasse (z. B. zur Barmer) gehen und die stellen dann eine entsprechende Befreiungsbescheinigung aus (das sollte man sich gut überlegen, denn während des Studiums ist in dem Fall kein Wechsel mehr möglich). Desweiteren muss der Semesterbeitrag (im Wesentlichen für das Semesterticket) überwiesen werden und der Kontoauszug als Nachweis dem Immatrikulationsantrag beigelegt werden.
Nachdem die Immatrikulationsbescheinigung angekommen ist, kann man mit den Passbildautomaten ein Foto machen und sich direkt darauf den Studierendenausweis (der auch als Semesterticket und Bibliotheksausweis dient) und die tubIT-Zugangsdaten (für WLAN, Rechnerpools, E-Mailaccount und Web-Dienste) abholen.
In der ersten Vorlesungswoche finden Einführungsveranstaltungen statt: teils weniger hilfreiche Begrüßungsreden von hohen Tieren der Uni oder Fakultät, aber auch von Studierendeninitiativen (wie der Freitagsrunde) organisierte Kleingruppentreffen oder Campus-Führungen. Während dieser Zeit muss man sich zu den Tutorien anmelden und einen Mentor wählen (mit dem hat man eigentlich nicht sehr viel zu tun – ich hatte ihn einfach anhand der besten Bewertung bei meinprof.de rausgesucht). Während des ersten Semesters sind weitere wichtige Termine der „Antrag auf Zulassung zur Bachelorprüfung“, die Prüfungsan- und Abmeldezeiten der einzelnen Module und natürlich die Prüfungen (Klausuren) an sich. Zum Ende des Semesters muss die Rückmeldung (einschließlich Überweisung der Gebühr) zum nächsten Semester erfolgen.

Das Bachelor-Studium ist in sogenannten Modulen organisiert. Es gibt eine Liste von konkreten Pflichtmodulen, die auf jeden Fall absolviert werden müssen, um den Bachelor-Abschluss zu bekommen, und es gibt so etwas wie „Wahlpflicht“-Module. Wann welches Modul belegt wird ist theoretisch egal. Es ist jedoch (zumindest in den ersten Semestern) sehr sinnvoll es so zu belegen, wie im Studienverlaufsplan vorgeschlagen, da die Module zum Einen manchmal innerhalb eines Semsters untereinander Bezug nehmen (bzw. zumindest gut zueinander passen) und zum Anderen die nacheinanderfolgenden Module aufeinander aufbauen. Bei Informatik sind es im ersten Semester die fünf Module „Methodisch-Praktische Grundlagen der Informatik – MPGI1″, „Technische Grundlagen der Informatik – TechGI1″, „Theoretische Grundlagen der Informatik – TheGI1″, „Informatisches Propädeutikum“ und „Lineare Algebra für Ingenieure – LinA“. Bei den meisten Modulen gibt es ein oder zwei Vorlesungen pro Woche und ein Tutorium (Vorlesung und Tutorium dauern jeweils 90 min). Tutorien sind vergleichbar mit Schulunterricht – also Gruppenveranstaltungen von 8 bis 40 Leuten, in denen Übungen vorgeführt und zusammen gelöst werden. In den Tutorien bilden sich Studierendengruppen (oft aus 3 Leuten), die zusammen die Hausaufgaben machen und abgeben. Die jeweiligen Tutoren (üblicherweise Studenten höheren Semesters oder wissenschaftliche Mitarbeiter) sind erster Ansprechpartner wenn es um Fragen bezüglich des Moduls geht. Zudem werden von den Tutoren noch Sprechstundentermine angeboten. Wenn es in einem Modul ein Problem gibt, wo der Tutor nicht helfen kann, kann man sich an den organisierenden wissenschaftlichen Mitarbeiter wenden. Außerdem gibt es normalerweise für jedes Modul eine Seite in der Onlinelearning-Platform ISIS, wo Vorlesungsskripte, Hausaufgaben, Termine und Ansprechpartner draufstehen. Zusätzlich können noch die (manchmal ziemlich veralteten) Internetseiten des zugehörigen Fachbereichs sinnvoll sein.

Die Prüfungsmodalitäten, also welche Anforderungen erfüllt sein müssen, dass in diesem Modul eine Prüfung (Semesterendklausur) abgelegt werden kann, und wie sich die Modulnote zusammensetzt, sind je nach Modul vollkommen unterschiedlich. Der notwendige Anteil korrekt bearbeiteter Hausaufgaben unterscheidet sich überall. In manchen Modulen gibt es zusätzlich (angekündigte, schriftliche) Tests während der Tutorien, wo ein gewisser Anteil bestanden werden muss. Manchmal gibt es „Prüfungsäquivalente Studienleistungen“, so dass ein Teil der Bewertung der Hausaufgaben in die Modulnote einfließt bzw. woanders wiederum gibt es nach der Hälfte des Semesters eine Zwischenklausur, die zur Hälfte in die Modulnote eingeht. Gemeinsam ist eigentlich nur, dass am Ende des Semesters eine Klausur geschrieben wird (wenn die Prüfungsvorraussetzungen erfüllt wurden). Während des gesamten Studiums Informatik Bachelor gibt es anscheinend planmäßig nur Klausuren – also keine mündlichen Prüfungen.

Bevor die ersten Leistungen erbracht werden (entweder die erste „prüfungsäquivalente Studienleistung“ oder die erste Klausur) muss einmal der „Antrag auf Zulassung zur Bachelor-Prüfung“ eingereicht werden. Das ist ein Formular, was beim Campus-Center abgegeben werden kann, wo es keine schriftliche Bestätigung für gibt.

Die Anmeldung zu den (Semesterend-)Klausuren läuft je nach Modul über verschiedene Systeme übers Internet (Qispos und Moses). Es gibt immer einen Anmeldezeitraum und einen Abmeldezeitraum für die Klausuren. Wenn man den Eindruck hat, eine Klausur nicht schaffen zu können sollte man sich rechtzeitig von ihr abmelden (oder garnicht erst anmelden), denn man hat nur zwei schriftliche und einen mündlichen Versuch. Fällt man durch alle Verusche durch und handelt es sich um ein wichtiges Modul, wird man für alle Unis für alle Studiengänge, die dieses Modul erfordern, gesperrt.
Wenn man eine Klausur nicht mitschreibt, weil man sie später schreiben möchte, sollte beachtet werden, dass das oft erst nach einem Jahr (2 Semestern) möglich ist, sofern das Modul nur im Winter- oder Sommersemester stattfindet. Bei manchen Modulen darf man jedoch direkt den „Nachschreibetermin“ bzw. „2. Termin“ (eigentlich für Leute die krank waren oder am ersten Termin nicht bestanden haben) auswählen. Der findet dann am Ende der Semesterferien statt. Beim Nichtbestehen eines Moduls muss die Klausur innerhalb von einem Jahr wiederholt werden.

Der Zeitumfang der Hausaufgaben sollte nicht unterschätzt werden – bei mir waren es teilweise bis zu 5 Stunden pro Woche pro Modul. Generell empfinde ich das Studieren anstrengender, aber auch interessanter, als ne 40-Stunden Arbeitswoche als Programmierer, da es ununterbrochen etwas neues zu Lernen gibt.

Der wesentliche Unterschied zwischen Bachelor und den Diplomstudiengängen ist wohl, dass beim Bachelor versucht wird die Leute zu zwingen in einer bestimmten Zeit bestimmte Dinge zu lernen (Lernfortschrittskontrolle). Zum einen ist es so, dass das Bachelor-Studium maximal doppelt so lange dauern darf, wie die Regelstudienzeit (Regelstudienzeit bei Informatik Bachelor sind 6 Semester, das Maximum wäre also 12 Semester). Desweiteren muss innerhalb eines Jahres eine bestimmte Anzahl an Leistungspunkten (LP) gesammelt werden. Für jedes bestandene Modul gibt es eine bestimmte Anzahl an LP. Die empfohlenen Studienverlaufspläne sind so ausgelegt, dass die Anzahl der LPs deutlich über dem Jahres-Mindestwert liegt und dieser daher immernoch einhaltbar ist, wenn ein paar Module nicht bestanden werden. Wird die Lernfortschrittskontrolle nicht eingehalten, wird man zu seinem Mentor geordert und führt ein Gespräch, wie das passieren konnte. Bei nachvollziehbaren Gründen wird dann ggf. ein Auge zugedrückt.

Bei den Modulen, die ich in den ersten zwei Semstern hatte, gab es keine Anwesenheitspflicht/Kontrolle für Vorlesungen und Tutorien. Es ist natürlich trotzdem anzuraten überall hin zu gehen. Es kann auch mal vorkommen, dass dann in der Klasur etwas kommt wie „Lösen Sie die Aufgabe nach dem in der Vorlesung vorgestellten Verfahren“, ohne dass das in den Tutorien oder Hausaufgaben behandelt wurde (war bei mir ausgerechnet bei der langweiligsten Vorlesung so). Außerdem werden manchmal in den Vorlesungen natürlich wissenswerte organisatorische Dinge angesagt.

Vielleicht werde ich später in einem weiteren Posting noch näher auf die Inhalte der einzelnen Module eingehen.